Warum es im Erwachsenenalter schwerer wird, Freundschaften zu pflegen
Mit jüngerem Alter ist man meist in festen sozialen Strukturen unterwegs. Schulen, Sportvereine und andere Gemeinschaften bieten ganz automatisch Gelegenheiten, Kontakte zu knüpfen. Das kostet nicht viel Aufwand, und Freundschaften können einfach entstehen.
Marianne Simons, Lebenslaufpsychologin und Gast in der Radiosendung Villa VdB auf NPO Radio 1, sagt: „Wenn man jung ist, bewegt man sich in festen sozialen Strukturen.“ Das ändert sich im Erwachsenenleben. Mit mehr Verantwortung durch Arbeit und Familienleben schrumpfen die freien Zeiten für persönliche Beziehungen. „Wenn Arbeit und Familienleben eine größere Rolle spielen, dann muss man aktiv Zeit machen, um sich zu sehen“, so Simons. Männer über vierzig, wie Scharnigg, merken oft, dass ihr Kontakt zu Freunden „verwässert“, nicht aus bösem Willen, sondern schlicht durch die Gewohnheiten des Alltags.
Wie Männer und Frauen Freundschaften anders pflegen
Freundschaften entwickeln sich bei Männern und Frauen oft unterschiedlich. Frauen setzen häufig auf Eins-zu-eins-Beziehungen, die viel emotionale Nähe bieten, während Männer eher gemeinsame Aktivitäten in den Vordergrund stellen. Frauen suchen Nähe auch über regelmäßige, direkte Kommunikation wie Telefonate oder WhatsApp-Nachrichten, eine Gewohnheit, die Männer seltener pflegen. „Frauen telefonieren, schreiben (appen) und halten die Leitungen kurz“, bemerkte Simons.
Männer hingegen treffen sich außerhalb formaler Strukturen lieber in Gruppen, was die Tiefe einzelner Beziehungen beeinflussen kann. Diese unterschiedlichen Vorlieben verlangen unterschiedliche Strategien, um Freundschaften im Erwachsenenalter lebendig zu halten; bei Männern funktioniert das oft über die Organisation gemeinsamer Unternehmungen.
Was das für das mentale Wohlbefinden bedeutet
Die Pflege von Freundschaften ist wichtig fürs mentale Wohlbefinden. Freundschaften bieten Raum, Freud und Leid zu teilen, und schaffen emotionale Regulation. „Das Teilen von Freud und Leid und die soziale Verbundenheit, die man bei seinen Freunden finden kann, die ist so wichtig“, betonte Simons in der Radiosendung, die von Jurgen van den Berg moderiert wird.
Marianne Simons rät dazu, aktiv zu werden, damit Beziehungen nicht nur erhalten bleiben, sondern sich vertiefen. Wenn man merkt, wie schade es ist, jemanden so selten zu sehen, sollte das Anlass sein, „Menschen, die du wirklich wichtig findest, etwas öfter aufzusuchen“.
Die Sichtweise gewinnt an Bedeutung, weil sie Männer in der Lebensmitte dazu auffordert, bewusster über ihre sozialen Kontakte nachzudenken und proaktive Schritte zu unternehmen, um ihr soziales Netz zu stärken. Die Dynamik von Männerfreundschaften in der Lebensmitte ist ein Thema, das relevanter wird: Die Herausforderung besteht darin, Wege zu finden, Freundschaften aktiv zu pflegen und so die sozialen Strukturen außerhalb von Arbeit und Familie zu stärken. Wer das macht, kann nicht nur mehr soziales Vertrauen gewinnen, sondern auch ein besseres mentales Wohlbefinden; in einer Welt, die immer komplexer wird, ist das zunehmend wichtig.