80er- und 90er-Jahren groß wurden, wurden stark von kulturellen Medien beeinflusst. Disney-Zeichentrickfilme, Märchen und Familien-Blockbuster aus dieser Zeit suggerierten oft, dass das Leben nach dem Erreichen eines entscheidenden Ziels „glücklich und zufrieden“ weiterläuft. Diese immer gleichen Schlussbilder haben tief sitzende Vorstellungen davon erzeugt, was Zufriedenheit bedeutet. Die erzählerische Formel „Sie lebten glücklich und bekamen viele Kinder“ bleibt hartnäckig im kulturellen Gedächtnis und lässt viele glauben, dass bestimmte Lebensziele — etwa eine Beförderung, Heirat oder ein bestimmtes Gehalt — alle Sorgen lösen.Was die Psychologie dazu sagt
Dr. Tal Ben-Shahar, Professor für positive Psychologie an der Harvard-Universität, sagt, dass der Glaube, Glück ließe sich einfach durch das Erreichen von Zielen finden, dem Wohlbefinden im Weg stehen kann. Er sieht Glück als etwas, das man immer wieder pflegen muss. Untersuchungen mit Lottogewinnern stützen das: Die meisten berichten, dass ihr Zufriedenheitsniveau nach einigen Monaten wieder auf das vorherige Level zurückfällt. Das beruht auf dem Prinzip der hedonischen Anpassung (Gewöhnungseffekt), bei dem das Gehirn sich an neue Umstände gewöhnt und anfängliche Freude nachlässt.
Andere Generationen schauen anders drauf
Während viele aus den 80ern und 90ern noch glauben, dass Zielerreichung dauerhaft glücklich macht, zeigt die Generation Z ein anderes Muster. Diese jüngere Gruppe sieht Glück häufiger als einen laufenden Prozess statt als festes Endziel (Generation Z: geboren ab Mitte der 1990er bis in die frühen 2010er-Jahre). Manche fragen sogar provokant, ob die emotionalen Höhepunkte aus Kindergeschichten als „kulturelles Gift“ gelten sollten, weil sie unrealistische Erwartungen ans Leben nähren. Das ist ein bewusster, kritischer Kontrast, der zum Nachdenken über die langfristigen Folgen von Medieninhalten anregt.
Glück anders denken: Weg von der Endstation, hin zum Prozess
Als Gegenstrategie zur Ankunftsverzerrung wird vorgeschlagen, die Suche nach einer perfekten Endstation aufzugeben. Vielmehr sollte man lernen, den Prozess selbst zu schätzen und Glück als etwas zu begreifen, das man kontinuierlich pflegt. Wenn man das Leben weniger als Abfolge von Häkchen auf einer To‑do‑Liste sieht, sondern mehr als ständigen Wandel, lässt sich die Enttäuschung vermeiden, die oft entsteht, wenn die Realität hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Glück lässt sich nicht allein durch das Erreichen von Zielen sicherstellen. Eine offenere Sicht auf das Leben als etwas Dynamisches und Entwickelbares bietet eine nachhaltigere Basis für Zufriedenheit. Die Geschichte von der Ankunftsverzerrung erinnert daran: Die Reise zählt mehr als die Destination. Ein solcher Perspektivwechsel könnte helfen, ein erfüllteres Leben zu führen, das nicht nur an bestimmten Meilensteinen hängt.