Was wir über die Bestattung in der Grotta del Romito wissen
Die Fundstelle, Grotta del Romito, liegt im Parco del Pollino und wurde von Jäger‑ und Sammlergemeinschaften zwischen 25.000 und 6.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung genutzt. Die berühmte Umarmung, die vor 12.000 Jahren stattfand, zeigt zwei weibliche Individuen (Romito 1 und Romito 2), die eng beieinander bestattet wurden. Die Dunkelheit der Höhle hat geholfen, diese Bestattung über Jahrtausende zu erhalten.
Auffällig an Romito 2 waren sehr kurze Gliedmaßen und eine geschätzte Körpergröße von etwa 110 cm. Genetische Analysen haben nun ergeben, dass es sich um eine genetische Erkrankung handelt: die Acromesomelische Dysplasie vom Typ Maroteaux.
Was die Paläogenomik herausfand
Das Team um Alfredo Coppa (Università La Sapienza di Roma), Ron Pinhasi (Universität Wien) und Adrian Daly (Universitätsklinikum Lüttich) nutzte Paläogenomik, um Details zu klären. Untersucht wurde DNA aus dem Schläfenbein (os temporale) beider Individuen.
Bei Romito 2 wurde eine homozygote Mutation im NPR2‑Gen nachgewiesen (das eine wichtige Rolle bei der Knochenentwicklung spielt). Diese Mutation erklärt die stark verkürzte Körpergröße und die kurzen Gliedmaßen. Das andere bestattete Individuum—vermutlich die Mutter—trug dieselbe Mutation in heterozygoter Form und war mit etwa 145 cm kleiner als der damalige Durchschnitt.
Was das über die Gemeinschaft sagt
Dass Romito 2 trotz der schweren Einschränkungen die Adoleszenz erreichte (also das Jugendalter), deutet stark darauf hin, dass ihre Gemeinschaft sie aktiv unterstützt hat. Solche Befunde sprechen für Hilfsnetzwerke und Solidarität in prähistorischen Gesellschaften, die Menschen mit Behinderungen halfen, unter oft schwierigen Bedingungen zu überleben. „Ihr Überleben hätte eine konstante Unterstützung durch die Gruppe erfordert, von der Nahrung bis zur Mobilität, in einer feindlichen Umgebung“, erklärte Alfredo Coppa und machte damit deutlich, wie umfangreich diese Fürsorge gewesen sein muss.
Warum die Entdeckung wichtig ist
Die Studie liefert die älteste genetische Evidenz einer seltenen Krankheit und wirft ein neues Licht auf den Umgang mit Behinderungen in der Vorzeit. Veröffentlicht wurde die Arbeit im New England Journal of Medicine. Damit ist der Fund sowohl für die medizinische Forschung als auch für das Verständnis prähistorischer Gemeinschaften von großem Wert.
Die Entdeckung in der prähistorische Höhlen erweitert unseren Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Urgeschichte. Sie lädt dazu ein, über die lange Geschichte menschlicher Fürsorge, Unterstützung und Überlebensstrategien nachzudenken.